Archiv: 'Premier League'

Aug 25 2009

Sommerurlaub: Teil 1

geschrieben unter Alltag, Fußball, Premier League, Urlaub

Seit gestern Abend bin ich wieder zurück aus dem Urlaub. Zeitlich flexibel und mit dem Wunsch, Porto zu besuchen, hatte ich mir in den vergangenen Monaten eine Route überlegt, die sowohl meine Wünsche befriedigte als auch meine Geldbörse nicht zu sehr belastete. Die Lösung war Ryanair, “Europas günstigste Fluggesellschaft”, bei der ich nach längeren Tüfteleien sechs Flüge für einen Preis um die 50 Euro bekam (ich kann es selbst auch nicht glauben). Die Route war ein wenig kompliziert, dafür aber vielversprechend. So sollte es zu Beginn von Berlin nach London (Stansted) gehen, nach einem fünftägigen Aufenthalt an der Themse für einen Tag nach Madrid und von dort schließlich nach Porto. Direkte Rückflüge von Porto nach Deutschland gab es leider nicht zu einem akzeptablen Preis, weshalb sich die Planung der Rückreise ein wenig komplizierter gestaltete. Schließlich fand ich dann aber doch eine gute Lösung von Porto via Madrid und Frankfurt-Hahn. Nebenbei wollte ich damit zudem meine Flugangst endgültig besiegen.
Nach zwölf Tagen kann ich sagen, dass ich weiterhin nicht sonderlich gerne fliege, dennoch sich diese für Außenstehende vielleicht sogar ein wenig verrückt anhörende Reise gelohnt hat. Ich konnte endlich einmal London ein wenig länger bestaunen, in Madrid sehen, wie gut ich doch noch Spanisch kann, in Porto alte Freunde treffen (und die wunderschöne Region genießen) und in Frankfurt-Hahn den schlimmsten Flughafen der Welt besichtigen.
Ich werde, da es sonst zu viel wird, das in zwei Teile aufteilen. Zum einen London und zum anderen der Rest (Porto, Madrid, Rückreise). Der zweite Teil folgt wahrscheinlich morgen.

  • London

Ich war in meinem Leben zuvor dreimal in London. Zweimal jeweils nur für eine Nacht, um ein Spiel der Tottenham Hotspur mir anzusehen, und einmal, als ich noch ganz klein war, woran ich mich aber nicht mehr erinnern kann. Nach einem gut gefüllten Ryanair-Flug (Auslastung war rund 90 Prozent) nach London-Stansted ging es dieses Mal mit dem Bus in die Innenstadt. Der benötigt zwar gute 90 Minuten (wenn er nicht im Stau steht), ist aber wesentlich billiger und man, so sagte man mir, sieht auch ein wenig mehr von der Stadt. Nun ja, anfangs sah man nur Autobahnen, aber wenigstens der Geruch nach frich gemähten Gras und der Linksverkehr erinnerte an England. Doch je länger die Fahrt andaurte und je weniger ich mich über den seitenverkehrten Straßenverkehr wunderte, desto mehr erinnerte auch das Landschaftsbild an London. Zwischen Ikea-Filialen blitzten die so typisch englischen Häuser hervor und als dann nach dem ersten kleineren Stau auch die ersten roten Doppeldecker durch die Straßen rumpelten, wusste ich, dass ich in London angekommen war.

Wer London für zwei Tage besucht, wird vor allem das  stressige Tube-Netz in Erinnerung haben. Lange Wege zwischen den Stationen, immer wieder werden Linien komplett gesperrt, viele Treppen, viele Menschen - für die Londoner U-Bahn benötigt man viel Nerven und teilweise auch Zeit, sind die Wege in London trotz der sehr dichten Zugfolge doch äußerst lang. Auch nach fünf, sechs Tagen gewöhnt man sich daran nur sehr schwer. Als Berliner ist man ja einiges gewöhnt, doch zum Beispiel der (fast) komplette Ausfall der S-Bahn hier in Berlin vor einigen Wochen war verglichen mit dem, was täglich in London los ist, überhaupt nichts. Auf der Insel scheinen die Menschen mit kurzfristigen Sperrungen/Änderungen auch viel leichter zurecht zu kommen als hier in Berlin, wo bei der kleinsten Abweichung gleich bis zum Umfallen gemeckert und gehetzt wird.

Highlight in London war für mich natürlich das Saisonauftaktspiel in Sonntag an der White Hart Lane zwischen den Spurs und dem FC Liverpool . Doch auch an den anderen Tagen habe ich mich gut beschäftigt, war in den unterschiedlichsten Stadtteilen (das Tagesmaximum auf meiner Oyster habe ich täglich für mindestens Zone 1-4 ausgeschöpft), war in einigen der im Übrigen überwiegend kostenlosen Museen/Gallerien wie “Tate Modern”, ging an der Themse spazieren oder entspannte einfach mit dem Guardian in einem der vielen Parks. Hätte ich genügend Kleingeld und würde ich in London einen guten Job bekommen, ich würde dort leben - hundertprozentig.

Dass London/England teurer ist als Deutschland, stimmt meiner Meinung nach nicht. Und das liegt nicht nur am relaitv starken Euro. Denn auch wenn der Euro, verglichen mit  Werten aus dem Frühjahr, nun wieder schlechter zum Pfund steht (für einen Euro sollte man derzeit rund 0,84 Pfund bekommen) ist der Kurs doch immer noch ein weitaus besserer als in den vergangenen Jahren. Gut, Essen auf der Straße ist relativ teuer (das fängt bei einem Döner, der nicht unter 3,50 zu haben ist, an, geht über Fish and Chips (rund 5 Pfund) und hört bei einem Restaurantbesuch auf (kommt drauf an, wohin man geht, ist aber, egal ´was man isst, (teils wesentlich) teurer als in Deutschland). Auch die Mieten mögen höher sein, doch Sachen des alltäglichen Bedarfs sind, wenn man die richtigen Adressen kennt, meines Erachtens teils wirklich preiswerter als hier.
Telefonieren
über das Mobilfunknetz ist in England äußerst billig - sofern man über eine englische Simkarte verfügt. Diese bekommt man (mit einem 5€-Kredit) kostenlos in den unzähligen Shops, hinzu gibt es meistens zudem noch eine Art “Kreditkarte”, mit der man seine Simkarte in Gemüseläden, Supermärkten, Internetcafes usw. wieder aufladen kann. Wer viel von England aus ins Ausland (insbesondere Deutschland) für den lohnt sich die Camel-Edition von Orange - ein Prepaid-Angebot, wo man für 0,06 Pfund pro Minute ins ausländische Festnetz telefonieren kann.
Auch Lebensmittel bekommt man günstig, Zwar sind die “M&S”- und “Tesco-Express”-Filialen für den Innenstadtbereich immer noch günstig, doch wer eine größe Auswahl haben möchte, sollte sich ruhig mal eine größere Tesco-Filiale etwas außerhalb von den Touristenmeilen suchen. Dort kann man zu weitaus günstigeren Preisen als in Deutschland einkaufen - vor allem die Tesco-Eigenmarke ist qualitativ akzeptabel und sehr, sehr günstig (2 Liter Mineralwasser für 0,11 Pfund). Interessant sind auch immer die “Buy 1 - Get 2″-Angebote. Eine gute Tesco-Filiale findet sich zum Beispiel an der U-Bahnstation Seven Sisters (dort, wo es auch zur White Hart Lane geht), die von der Victorialine bedient wird.
Wer viel Tube, DLR und Bus in London fährt (mit einigen Zügen der National Rail funktioniert die Karte nicht), für den lohnt sich eine Oystercard (eine elektronische Karte, die man mit Geld aufladen muss), die es gegen einen Pfand von 3 Pfund an jedem Ticketschalter der TfL gibt. Mit der Oystercard zahlt man (sofern man vor und auch NACH jeder Fahrt sich ein- aus auscheckt) nur das, was man verfährt, jedoch mindestens 0,50 Pfund weniger als den Travelcard-Preis. So lohnt sich diee Karte also eigentlich immer. Wichtig ist wirklich, dass man die Karte nach jeder Fahrt (außer mit Bus) an so einen “Automatending” hält, um sich auszuchecken (an fast alle Tubestationen muss man das ohnehin machen), sonst wird eine Maximalgebühr erhoben (mir ist das leider zweimal passiert).  Wer unter 25 ist, sollte überlegen, ob die Railcard nicht das richtige für einen ist. Ich habe mir bei der Ankuft in London jedenfalls gleich die U25-Railcard, mit der man für 26 Pfund für ein Jahr 1/3 Ermäßigung auf (fast) alle Zugfahrten in England bekommt, geholt. Der Clou dabei: Mit der Karte bekommt man auch 1/3 Preisnachlass auf das “Tagesmaximum” der Oystercard, sofern man die beiden Karten an einem Ticketschalter der TfL verlinkt. Ausführliche Informationen zum Londoner Nahverkehr finden sich im Übrigen hier.

Insgesamt macht London ohnehin ein weitaus fortgeschritteneren Eindruck als Berlin bzw. Deutschland. Viele Dinge im Alltag sind einfach bzw. besser umgesetzt (Beispiel OysterCard etc.) Dem gegenüber stehen auch eine hohe Anzahl an maroden und kaputten Gebäuden (vor allem wenn man die Innenstadt verlässt),  hier und da Obdachlose und ein wenig Angst hat man schon, wenn man an einem späten Abend in einem Londoner Doppeldecker oben sitzt und ganz offensichtlich mit Drogen vollgepumpte Menschen einem gegenübersitzen. Das Publikum im Bus unterscheidet sich ohnehin sehr stark von dem in der Tube. Mit dem Bus scheint überwiegend die ärmere Bevölkerung zu fahren (Kinder und Jugendliche mit Londoner Wohnsitz bekommen das Busfahren auch komplett umsonst), während die Tube, angefangen von der zur Arbeit fahrenden Putzfrau bis hin zum von oben nach unten gestylten Geschäftsmann, voll mit Menschen verschiedener Gesellschaftsschichten ist. Es ist viel Tradition mit viel Moderne in London und alles, auch die Probleme, erinnern ein wenig an die englischen Premier League, die derzeit vor der Herausforderung steht, “das “Beautiful Game” von einst zu erhalten, gleichzeitig aber die traditionsbewussten Fans und ihre Ansichten zu berücksichtigen, sich weiter dem globalen Geldströmen zu öffnen und darüber hinaus weiterhin Schauplatz zu sein für den schnellsten, besten und attraktivsten Fußball der Welt” (siehe Spielmacher 01/09).

Somit dann auch gleich die Überleitung zum Fußball. Am Samstagnachmittag ging es erst zum FC Millwall, wo es nach schwacher Chancenauswertung ein 0:0 gab. Mir ging es dabei aber auch minder um den Fußball (teilweise war das ein Rumbolzen und Holzen wie in der Kreisliga), sondern mehr darum, die Atmosphäre im Den mal live zu erleben. Der FC Millwall, hier zu Lande bekannt als ein Arbeiterverein mit einer großen Anzahl an gewaltbereiten Fans, liegt nicht mehr als zehn Minuten mit der Bahn von London Bridge entfernt (Oysterkarten funktionieren hier nicht) und spielt derzeit in der First League, also in der 3. Liga. Die Menschen, die (neben einigen Deutschen, die ich auch im Stadion ausmachen konnte) ins Den gehen, sehen schon ein wenig anders aus als in anderen Stadien. Der Altersdurchschnitt ist weitaus jünger als in anderen Stadien und die Zuschauer haben wesentlich weniger Haare auf den Kopf. Dennoch, besonders gewaltbereit schienen die 9000 Jungs, jedenfalls an diesem Nachmittag, nicht zu sein. Eher ein wenig enttäuscht, dass man die Chancen nicht nutze und es auch im zweiten Saisonspiel nur für ein Remis reichte.  Dennoch, schlecht war die Stimmung auf jeden Fall nicht, und es kommt schon ein wenig Gänsehaut auf, wenn die Kurve den legendärsten aller Millwall-Gesänge anstimmt: “No one likes us, no one likes us, no one likes us, we don’t care. We are Millwall, super Millwall, we are Millwall from The Den”.

Bei Tottenham war einen Tag später die Stimmung natürlich grandios ob des 2:1-Sieges gegen den FC Liverpool. Auch das Spie war (vor allem die 2. Halbzeit) sehr ansehnlich und auch nach dem 1:1-Ausgleich von Liverpool gab es zur Motivation Gesänge und Klatschen. Ich hatte mir im Juli dann doch noch überlegt, in dieser Saison etwas häufiger nach London zu fliegen (sofern Ryanair bis dahin nicht pleite ist) und  Mitglied bei Tottenham zu werden, sonst wäre ich wahrscheinlich auch nie an ein Ticket gekommen. Dummerweise war an jenem Sonntag auch die Victoria-Line gesperrt, so dass ich ein wenig anders als die Jahre zuvor zur Lane fahren musste. Dennoch war ich rund zwei Stunden vor Anpfiff am Stadion und nach einem Rundgang und einen Besuch im Fanshop ging es gen Tribühne. Meine Karte hatte rund 50 Pounds gekostet, natürlich auch dadurch beeinflusst, dass der FC Liverpool eine Mannschaft aus der teuren A-Kategorie ist. Viele Fußball-Touristen sah ich nicht, in meiner Nähe saßen ausschließlich Engländer, die mitsangen, mitklatschten und mitfieberten als ginge es um Leben und Tod. Manche konnten es während des Spiels nicht mehr auf den Plätzen aushalten, wurden jedoch promt vom Ordner ermahnt, sich bitte umgehend wieder hinzusetzen. Bier gibt es während des Spieles nicht, gewettet werden kann natürlich. Die Quoten bei den Buchmachern werden in England anders geschrieben und sind, was Premier League angeht, schlechter als in Deutschland, dafür gibt es aber eine Menge an Spezialwetten (z. B. “Crouch erzielt einen Hattrick gegen Liverpool”). Nach dem Spiel wurde nicht lange gefeiert, nach dem Abpfiff wurde kurz gejubelt und geklatscht, ehe man dann, anders als in Deutschland, wie zivilisierte Menschen ohne Gröhlen und ohne Besaufen zügig das Stadion verließ.

So denn, das also die Eindrücke aus London. Ich hatte noch andere Anmerkungen/Details, die ich erwähnen wollte - dummerweise sind diese mir aber für den Moment entfallen. Nun ja, was soll´s. Am Dienstagnachmittag ging es dann jedenfalls langsam in Richtung Bushaltestelle, um zurück nach Stansted zu fahren. London ist eine tolle Stadt. Nirgends gefällt es mir so gut, nirgends würde ich lieber wohnen. Ich vermisse jetzt schon diese Hektik, die Tesco-Supermärkte, die Lektüre des Guardian, die roten Busse, das Auschecken mit der Oystercard und den überfüllten Fanshop an der White Hart Lane.

Im Folgenen eine kleine Bildauswahl

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Jan 16 2009

Englands B-Elf besiegt Deutschland

geschrieben unter Fußball, Premier League

Durch eine Anzeige in der WSC bin ich neulich auf den englischen Online-Shop philosophy-football gestoßen, der unter anderem folgendes T-Shirt anbietet:

 

“England B-Elf Besiegt Deutschland” (England B-team defeat Germany) / Plus full match details. The headline in Berliner Morgenpost the morning after England’s somewhat unexpected victory in Berlin. To be fair they might have added it was Germany’s B team too but who’s complaining? The end of an extraordinary autumn run of victories under Capello. JUST £14.99!.

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Okt 30 2008

Danke Premiere…

geschrieben unter Fußball, Medien, Premier League

…, dass ich am Mittwochabend ein typisches, langweiliges Chelsea-Spiel übertragen bekomme und nicht eines der größten Derbys im englischen Fußball, in dem es am Ende ein 4:4 gibt. Und wer mir jetzt damit ankommt, dass man das vorher nicht hätte wissen können, der sollte man sich mal die letzten Duelle ansehen. Ich erinnere gerne an das Carling Cup Halbfinale oder an das Spiel im Emirates im letzten Dezember.

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