Apr 16 2009
Kurzurlaub auf Rügen - und wieder zurück in Berlin
Um mich von den anstrengenden letzten Wochen zu erholen, war ich die letzten vier Tage auf Rügen im Urlaub. Von Berlin aus sind es mit der Bahn gut vier Stunden bis auf die größte Insel Deutschlands. Bereits in meiner Kindheit war ich sehr oft auf Rügen, von daher kenne ich mich recht gut auf der Insel aus. Da ein großer Teil der Osterurlauber sich (spätestens) am Montag wieder auf den Heimweg machte, ich jedoch erst am Montag anreiste, hatte ich Glück, zum einen weil man recht preiswerte Unterkünfte bekam, zum anderen weil die Insel angenehm “leer” war. Einige Bilder:
Die Rückfahrt am Donnerstagmorgen gestaltete sich als relativ angenehm. Im Bus nach Binz war die Kasse “kaputt”, so dass keine Tickets gelöst werden konnten und zur Freude fast aller Fahrgäste, “Sie können ruhig häufiger kommen” (Zitat einer geschätzen 80-Jährigen), die Busfahrt völlig kostenlos war. Der IC von Binz aus war zudem bis Berlin so leer, dass man fast einen kompletten Wagon für sich allein hatte. So kam man am Mittag dann erholt, entspannt und mit einem kleinen Sonnebrand auf der Nase am Berliner Hauptbahnhof an.
Doch der anschließende Weg nach Dahlem mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln machte die ganzen vier vergangenen Tage Urlaub mehr als wett. Im mit Touristen gefüllten Hauptbahnhof geht es nach Oben, in Richtung S-Bahn. Auf halben Weg wird man angehalten, von Spaniern, die mit gebrochenen Englisch den Weg zum Potsdamer Platz erfragen. Als man in Spanisch antwortet und empfiehlt die Buslinien M41 bzw. M85 zu nehmen, geht der spanischen Familie (entweder aus Verblüffung darüber, dass ich in Spanisch antworte, oder weil sie mein genuscheltes, schnelles Spanisch nicht verstehen) der Mund nicht mehr zu, doch man muss weiter. Die S-Bahn ist voll, überfüllt, obwohl es mittags ist und auf diesem Streckenabschnitt die Züge alle wenigen Minuten fahren. Der Mann neben mir riecht nach altem Schweiß, die Frau gegenüber spricht derart laut in ihr Mobiltelefon, dass man Angst um seine Ohren hat. Am S-Bahnhof Tiergarten steigt ein Obdachloser zu, der versucht, seine Zeitung zu verkaufen - die Berliner reagieren genervt, die Touristen irritiert und blicken den Mann mit traurigen Augen an, doch Spenden geben sie ihm trotzdem nicht. Eine Station weiter muss ich raus, ab zur U9, aber nicht ohne vorher noch kurz bei McDonald´s auf die Toilette zu gehen. Auf der Treppe ist die U9 in Richtung Steglitz schon zu sehen, ich renne und schaffe es tatsächlich noch in die Bahn, ehe die Türen zuspringen und der Zug sich in Bewegung setzt. Zwei Stationen weiter muss ich schon wieder raus, in die U3, die mich direkt nach Dahlem bringt. Hier ist es ruhiger, entspannter, fährt die U-Bahn doch ins “Reichenviertel” Zehlendorf. Doch in der Bahn, in der sonst eigentlich nur Studenten, die zur FU nach Dahlem fahren, und hin und wieder ein paar alte Frauen, die den Wilmersdorfer Witwen aus dem Linie 1-Musical sehr ähneln, sitzen, ist es nicht lange ruhig. Vier Jugendliche steigen ein, mit großen Sporttaschen. An ihren Jacken erkennt man, dass sie für Hertha 03 spielen. Dem Zehlendorfer Verein, der, wie es bei wikipedia heißt, “weit über seine Grenzen hinaus für seine hervorragende Jugendarbeit bekannt ist” Sportlich gesehen mag das stimmen, doch wenn man hört, mit welch einem Wortschatz und vor allem mit welch einer Lautstärke sich die vier darüber unterhalten, wie oft sie pro Woche masturbieren, muss man das Konzept von Hertha 03 schon ein wenig hinterfragen. Spätestens als dann einer der vier sein Handy anmacht und irgendwelche schlechte Rapmusik abspielt, weiß ich, dass ich zurück aus dem Urlaub, aus der Ruhe und aus der Idylle bin. Zurück in Berlin.










