Aug 26 2009
Sommerurlaub: Teil 2
Nach meinem Aufenthalt in London ging es am Dienstagabend nach Madrid. Wieder von Stansted, wieder mit Ryanair.
Mein letzter Flug nach Madrid war im August vergangenen Jahres. Damals flog ich nach einem Kurzurlaub in Dänemark von Billund (im Legoland war ich damals leider nicht) aus nach Madrid. Dummerweise war das seiner Zeit genau an dem Tag, an dem die Spanair-Maschine in Madrid-Barajas verunglückte und 155 Menschen dabei ums Leben kamen. Am Flughafen in Billund bekam ich nur durch Zufall mit. Zwei Spanier sprachen mich bei der Gepäckaufgabe auf Spanisch an, dass ihnen gesagt wurde, der Flüge würde mehrere Stunden Verspätung haben und man könne vom Flug zurücktreten. Sie hätten gerade nach Spanien telefoniert und in Barajas soll eine Maschine abgestürzt sein. Anfangs dachte ich, ich hätte den Spanier falsch verstanden, doch als er das dann noch einmal wiederholte und mir das auch am Schalter bestätigt wurde, war ich schon ein wenig geschockt. Die anschließenden Stunden im Wartebereich waren keine schönen. Spanier sind ohnehin deutlich sensibler und auch hysterischer und es war eine sehr beängstigende Stimmung auszumachen. Viele Spanier telefonierten nach Hause, manchen war der Schock so richtig ins Gesicht geschrieben. Die Menschen versammelten sich im Anschluss alle um einen sehr großen, rund 60 Zoll großen Fernsehbildschirm, der dort im Wartebereich aufgestellt war, und verfolgten die dänische Berichterstattung zum Flugzeugunglück; immer wieder wurden die Bilder aus Madrid-Barajas gezeigt. Am gleichen Abend fand glücklicherweise auch noch das Länderspiel zwischen Dänemark und Spanien, was dann ebenfalls auf diesen Bildschirm gezeigt wurde und wenigstens bei den männlichen Fluggästen für ein wenig Beruhigung sorgte, doch mit klaren Kopf konnte man das Spiel auch nicht verfolgen. Als die Maschine dann schließlich mit einigen Stunden Verspätung abhob, war es schon sehr spät geworden, in Madrid kam ich an jedem Abend erst gegen 3Uhr an. Seit dem habe ich, um es mal so zu formulieren, zumindest einen sehr großen Respekt vor dem Madrider Flughafen und
In diesem Jahr hingegen erlebte ich einen der besten Flüge in meinem bisherigen Leben. Glücklicherweise handelte es sich bei dem Flugzeig noch um ein älteres Ryanair-Modell, zwar nicht mit Ledersitzen, dafür aber mit etwas mehr Sitzabstand und mit Taschen an den Rücken der Vordersitzen. Die Kabinencrew bestand ausschließlich aus Spaniern, die sich zu Beginn des Fluges erst einmal ausführlich über Mikrofon vorstellten. Alle hatten äußerst gute Laune und wirkten keinesfalls gestresst, was bei Ryanair-Flügen alles andere als üblich ist. Ein Steward hatte scheinbar besonders gute Laune, machte während seiner Ansprachen immer wieder humorrvolle Bemerkungen in englischer als auch spanischer Sprache. Die Krönung war dann der bei jedem Ryanair-Flug durchgeführten Losverkauf. Während auf den anderen Flügen der Standardtext “Nun haben Sie die Möglichkeit, für zwei Euro Lose zu kaufen. Sie können sowohl diverse Geldpreise als auch ein Auto gewinnen. Der Erlöß geht an Kinderhilfsorganisationen in Irland” systematisch runtergeleiert wird, fing Carlos, wie es sich mehrmals während des Fluges vorstellte, beim Losverkauf so richtig an, loszureden. Ein kleiner Teil des Wortlaut (ist bei Leibe nich alles, aber das ist das, woran ich mich noch erinnern kann) :
“Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass sie in Barajas mit 20.000 Euro von Board gehen, aber ich kann Ihnen versprechen, dass das Geld an Menschen geht, die es wirklich brauchen. Was sind schon zwei Euro in der heutigen Zeit? Zwei Euro? Was ist das? Was? Nicht mehr als ein verfackter halber Cafe bei Sturbucks, nicht mehr als einmal Kofferwiegen in Barajas - zwei Euro, liebe Gäste, das können sie doch wirklich ´mal investieren. Denn wo bekommen sie heutzutage die Möglichkeit, mit zwei Euro, bis zu 40.000 Euro zu gewinnen und dabei auch noch etwas sehr, sehr Gutes für andere Menschen, denen es sehr schlecht geht, zu tun? Liebe Fluggäste, jetzt in der Zeitpunkt gekommen, wo Sie in Ihre Geldbörse schauen sollten, und zwei Euro zusammenzusuchen.”
Erst in Englisch, wo sich die wenigen Engländer und ich bereits amüsierten, und dann noch in Spanisch, wo dann fast alle Passagiere lachten und im Anschluss wirklich das ganze Flugzeug heiter applaudierte. Während eines Fluges habe ich in meinem Leben so eine Stimmung noch nicht erlebt. Und beim anschließenden Verkauf gingen die Lose weg wie warme Semmel. Bei den anderen Flügen wurden vielleicht zwei, maximal drei Lose verkauft, bei diesem waren es gleich mehrere dutzend Lose, die verkauft wurden. Auch ich holte mir aus Spaß eines, worauf ich gleich gefragt wurde, warum ich denn nicht zwei oder gleich drei nehmen würde. Gewonnen habe ich nichts, aber darum ging es ja eigentlich auch nicht. Auch der Anflug auf den chronisch überlasteten Madrider Flughafen verlief problemlos, mit eine Verfrühung von zwanzig Minuten trotz verspäteten Start in Stansted landete die Maschine sicher in Madrid.
In Madrid selbst hatte ich, da es schon abends war, eigentlich nur einen Tag, da es am Donnerstag auch bereits schon um 05:50 von Madrid aus wieder los ging. Viel machte ich an dem einen Tag eigentlich nicht (war kurz auf der Gran Vía bei “fnac”, lange im Cafe und noch bei Real Madrid und Atlético). Kannte ja eigentlich alles schon und da es an dem Tag um die 38° C im Schatten waren, wollte ich auch nicht ganz so viel unternehmen.
Wenn man aus London nach Madrid fährt, ist ein deutlicher Kontrast zu konstatieren. Es ist dabei aber nicht nur die komplett andere Mentalität, die auffällt, sondern Madrid wirkt auch viel kleiner, verglichen mit London fast schon wie eine Kleinstadt (aber immer noch größer als Berlin). Gut, im August ist Madrid ohnehin im Sommerschlaf, die Menschen fahren in den Urlaub - es ist nicht viel los. Auch die Wege mit der Metro sind wesentlich kürzer als in London, man bekommt eigentlich immer einen Sitzplatz und die Menschen sind auch wesentlich gelassener als In London. Selbst auf den großen Einkaufsstraßen herrscht nicht so eine Hektik, wie ich sie die Tage zuvor in London konstatiert habe. Gleichzeitig sind die Menschen auch viel gesprächiger als in London, wo sie zwar dennoch freundlich sind, aber in Spanien spricht man auch viel mehr miteinander als in London, wo man nicht selten (vor allem in der Tube) das Gefühl hat, das jeder in seiner eigenen Welt mit seinem iPod im Ohr lebt.
Porto gibt es dann morgen im Laufe des Tages. Habe morgen ja noch ´mal frei, wenngleich ich derzeit sehr, sehr viel schreieben muss. Gehe jetzt so langsam schlafen, bin müde und morgen Früh kommt auch schon wieder der Handwerker, wenn bis dahin mein Bad noch nicht wegen der kaputten Toilettenspülung überflutet ist und die Feuerwehr hier anfahren muss.
Zum Schluss wieder eine kleine Auswahl an Bildern, die ich Madrid gemacht habe.






































